Charlotte Hepfer - Geigenbaumeisterin

Geigenbau - Reparaturen - Handel - Zubehör

Mitglied im Verband deutscher Geigenbauer und Bogenmacher

Was tun, wenn folgender Notfall beim Instrument auftritt?

  • Steg ist umgefallen: die Saiten entspannen, Tuch unter den Saitenhalter legen, damit die Decke nicht von den Feinstimmern verkratzt wird und dann entweder den Steg selbst wieder hinstellen oder bei mir in der Werkstatt aufstellen lassen. Bei von mir aufgepassten Stegen befinden sich auf der Decke zwei kleine weiße Markierungspunkte, die die hintere Begrenzung des Stegs markieren d.h. der Steg sollte vor diese Punkte (in Richtung auf das Griffbrett zu) hingestellt werden, wobei darauf zu achten ist, dass er senkrecht bzw. im Saitenwinkel steht.

  • Griffbrett hat sich vollständig abgelöst: Saiten entspannen, damit sich der Hals nicht verzieht (allerdings sollten die Saiten nicht zu locker sein, damit weder der Steg noch der Stimmstock umfallen). In der Werkstatt neu aufleimen lassen.

  • Risse: bei sehr langen Deckenrissen die Saiten etwas entspannen. Allgemein gilt: den Riss sauber halten (d.h. die Geige nicht abwischen bzw. Reinigungspolituren verwenden), bei unebenen Rissen darauf achten, dass die Kanten nicht beschädigt werden; zum Leimen in die Werkstatt bringen.

  • Abgebrochene Ecken oder Randstücke: die abgebrochenen Holzstücke sorgfältig aufbewahren, am besten in einer kleinen Tüte, damit nichts schmutzig wird und die Kanten unversehrt bleiben, was das spätere Anleimen erleichtert. Beim Geigenbauer wieder fachmännisch anleimen lassen.

  • Anmerkung: wenn von 'Leim' die Rede ist, ist immer Heißleim (Hautleim) gemeint - in keinem Fall Kleber oder auch Kaltleim verwenden!

Was tun, wenn das Instrument Beigeräusche macht?

Zuerst testen, ob das Geräusch nur bei einer Saite auftritt oder bei allen. Wenn es nur bei einer Saite auftritt:

  • die Saitenumspinnung ist defekt - Saite erneuern

  • der Obersattel ist zu niedrig - die Saite schlägt auf dem Griffbrett auf - Obersattel erhöhen

wenn es bei allen Saiten auftritt:

  • es könnte sich zusammengeklebter Staub und Kolophonium in den ff-Spitzen befinden, so dass die ff an den Klappen "zusammengeklebt" sind. Mit einem Pinsel o. ä. entfernen, damit die ff-Klappen wieder frei schwingen können.

  • irgendwo ist ein Rand offen (ringsherum alle Ränder auf offene Stellen absuchen bzw. abklopfen) - man muß die offene Stelle leimen

  • der Kinnhalter liegt auf dem Saitenhalter auf bzw. kann ihn beim Spielen berühren - einen höheren Kork unter den Kinnhalter kleben

  • die Feinstimmer sitzen nicht richtig - gut festschrauben, evt. die Schrauben mit Wachs einreiben

  • die Einlage ist an manchen Stellen schmaler als der Adergraben, so dass sie mitvibrieren kann - in der Werkstatt leimen lassen

  • der Steg ist zu niedrig - man sollte einen neuen aufpassen

  • das Griffbrett ist zu wellig (Mulden entstehen, weil die Finger die Saiten immer an den selben Stellen auf das Griffbrett drücken) - es müsste wieder einmal abgerichtet werden

  • das Saitenröhrchen der E-Saite schwingt mit, weil es nicht richtig aufliegt

  • Goldschiffchen- oder Knöpfe an den Wirbeln können lose sein und beim Spielen vibrieren.

Dieses sind nur die häufigsten Möglichkeiten, durch die Beigeräusche entstehen können; wenn Sie Ihr Problem hier nicht gefunden haben, kommen Sie doch einfach zu uns in die Werkstatt - wir werden uns bemühen, die Ursache zu finden und wieder für einen guten Klang zu sorgen.

Anhaltspunkte für die Reparaturhäufigkeiten:

  • Griffbrett abrichten: je nach Häufigkeit des Spielens: alle 1-3 Jahre

  • Steg erneuern: wenn der alte verzogen oder zu niedrig ist oder nicht mehr richtig auf die Decke passt

  • Stimmstock erneuern: wenn der Stimmstock zu kurz ist oder nicht gut passt, wenn der Saitendruck von oben zu groß ist und sich die rechte FF-Klappe schon abgesenkt hat

  • Saiten erneuern: Profis alle paar Monate, ambitionierte Amateure einmal pro Jahr (möglichst komplett!), ansonsten, wenn nötig: wenn die Saiten vom Handschweiß grau geworden oder auf der Unterseite platt gedrückt sind, da sie dann nicht mehr quintenrein sind. Cellisten müssen weniger oft wechseln.

  • Bogen behaaren: Profis ca. einmal im Jahr, Amateure je nach Häufigkeit des Spielens alle 2-3 Jahre

  • Kolophonium austauschen: alle 4-5 Jahre. Es trocknet im Laufe der Zeit aus, folglich verwendet man immer mehr, der Staub fällt beim Spielen auf die Decke herunter und verklebt diese.

  • Leimungen: sobald man einen offenen Rand oder Riss findet

Allgemeines zur Aufbewahrung von Instrumenten:

  • in einem nicht zu trockenen Raum aufbewahren. Im Sommer ist dies meist kein Problem, im Winter während der Heizperiode, wenn die Luft u. U. sehr trocken ist, könnten Risse entstehen. Es ist weniger die Temperatur als vielmehr die Luftfeuchtigkeit entscheidend.

  • Luftfeuchtigkeit: bei sehr trockener Luft (ca. 40% ) halten u.U. die Wirbel nicht d.h. die Saiten sind stark verstimmt (die Töne sind zu tief). Wichtig ist dann beim Hochstimmen der Saiten, dass man während des Drehens die Wirbel nach innen drückt, damit sie wieder fester sitzen. Im Sommer, also bei hoher Luftfeuchtigkeit kann das Problem genau umgekehrt sein: die Wirbel sitzen zu fest und lassen sich nur schwer drehen. In diesem Fall: die Saiten tiefer drehen und während des Drehens die Wirbel etwas herausziehen, wodurch sie lockerer sitzen. Dann beim Hochstimmen wieder soweit hineindrücken, dass die richtige Gängigkeit gegeben ist. Das funktioniert allerdings nur bei Wirbeln, die im Prinzip in Ordnung sind. Bei Wirbeln, die grundsätzlich schlecht laufen, weil sie z.B. unrund sind oder sich Wülste gebildet haben, hilft häufig nur Druck (allerdings mit der Gefahr, dass sich Wirbelkastenrisse bilden) oder - besser - das Erneuern der Wirbel.

  • Ein Instrument nie im Sommer im Auto liegen lassen, da der Lack durch die entstehende Hitze Blasen bekommen kann; im Winter übrigens auch nicht, da bei Kälte die Luftfeuchtigkeit meist recht gering ist und Risse entstehen können.

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